Die ersten zwei Monaten mit: 1und1 Mail Business

Prolog

Zu wenig Platz, zu viel Spam… Ergo: Neues Postfach.

Eine Addresse bei einem der Internet-Riesen liegt nahe. Google bietet bewährten Service. Posteo ist ein eher kleiner Anbieter und kostet, aber es belohnt mit dem guten Gefühl, die eigenen Daten nicht irgendwo kontinuierlich analysiert zu wissen.

Ein angemieteter Exchange Server war die Option, für die ich mich schließlich entschied. Genauer: 1und1 Mail Business. Nach nunmehr zwei Monaten Praxis-Erfahrung, anfänglicher Frustration und finaler Zufriedenheit hier nun meine gesammelten Erkenntnisse + Erfahrungen… Weiterlesen

Buchempfehlungen: „Mehr Transparenz wagen!“ versus „Wem gehört die Zukunft?“

Amerikanische Kontrapunkte in der Datenschutzdebatte: Jarvis' "Mehr Transparenz wagen" und Laniers "Wem gehört die Zukunft?"

Unterschiedliche Stimmen in der Datenschutz-Debatte: Jarvis‘ „Mehr Transparenz wagen!“ (links) und Laniers „Wem gehört die Zukunft?“ (rechts)

Das Informationszeitalter bringt große Chancen und Risiken mit sich: Chancen, weil nie dagewesene technologische Werkzeuge entstehen. Risiken, weil diese auch missbraucht werden können. Internetriesen behaupten keck, man trete für eine offene und vernetzte Welt ein. Die Gegenseite hingegen warnt vor der massiven Sammelwut Personen-bezogener Daten.

Die Datenschutz-Debatte wird aktuell erneut durch den NSA-Skandal und das neue Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung angeheizt. In diesem Kontext möchte ich zwei Bücher empfehlen, die ich in der Vergangenheit gelesen habe. Beide stehen eigentlich in keiner direkten Beziehung. Aber sie diskutieren IT und Social Media aus völlig gegensätzlichen Gesichtspunkten und helfen so bei der persönlichen Meinungsbildung und dem eigenen Abwägen zwischen Für und Wider.


Jeff Jarvis: „Mehr Transparenz wagen – wie Facebook, Twitter & Co die Welt erneuern“

Quadriga Verlag, Köln 2012
ISBN 978-3-869-95041-9
Gebunden, 320 Seiten, 24,99 €

Jeff Jarvis ist ein technophiler Journalist und Internetaktivist. Er lehrt an der City University of New York.
In „Mehr Transparenz wagen“ beschreibt er, welche Vorteile die Gesellschaft langfristig aus der neu gewonnenen Offenheit ziehen kann. Er wirbt für mehr Vertrauen in der täglich gelebten, digitalen Netzkultur.

Laut Jarvis werden soziale Netzwerke künftig eine noch viel größere Wirkung auf Wirtschaft und Gesellschaft haben, weil sie die aktuellen Machtverhältnisse verändern und alte Einrichtungen verdrängen, die auf Mangel und Kontrolle beruhen.

Wolfgang Michael bringt Jarvis‘ Hauptthese in seiner Buchrezension so auf den Punkt:

„(…) ‚Soziale‘ Webangebote vernetzen Menschen zu einer neuen, schnell wachsenden Beziehungsökonomie, deren Motor das Gegenseitigkeitsprinzip ist: Hilfst du mir, so helf’ ich dir. Mit Tipps, Ratschlägen, Produkten und Ansprechpartnern“


Jaron Lanier: „Wem gehört die Zukunft? – Du bist nicht der Kunde der Internetkonzerne. Du bist ihr Produkt.“

Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2014
ISBN 978-3-455-50318-0
Gebunden, 480 Seiten, 24,99 €

Jaron Lanier ist ein umtriebiger Informatiker bei Microsoft – mit breitem Wirkungsrahmen und Interessenshorizont.
Wem gehört die Zukunft?“ führt vor Augen, auf welche Weise Konzerne durch digitale Datenverarbeitung profitieren und wie das System ggf. eines Tages kippen könnte. Lanier zeigt darin allgemein verständlich auf, wie durch den „Lockruf des Kostenlosen“ der Gesellschaft langfristig die Mittelschicht wegbrechen könnte und wie Sirenenserver Risiko und Belohnung verheerend entkoppeln.

Als Gegenansatz zu dem Konzept des bedinungslosen Grundeinkommens zeichnet der Autor seine Vision einer sogenannten „Humanistischen Informationsökonomie“, in der jeder Bürger über Mikrohonorare für Daten, die er zur Verfügung stellt, entlohnt wird. Das brächte viele Vorteile, hieße aber auch, dass in einer solchen Ökonomie viel weniger kostenlos sein würde als heute.

„Der Wert persönlicher Informationen wird erst erkennbar, wenn wir zugeben, dass er überhaupt existiert!“

Mailing Client Config via IMAP – Ein Erfahrungsbericht

Synchronisation von E-Mails zwischen verschiedenen Endgeräten (Grafiken von OpenClipart.org)

Synchronisation von E-Mails zwischen verschiedenen Endgeräten (Grafiken von OpenClipart.org)

IMAP ist der aktuelle offene Standard für E-Mails. Im Gegensatz zu POP3 synchronisiert das Protokoll zwischen mehreren Geräten, indem es lokale Änderungen zum Server sendet und mit ihm abgleicht. Das ist äußerst vorteilhaft, hält es doch alle Geräte, die sich im Besitz einer Person befinden, auf dem gleichen Stand – ob Smartphone, Tablet, Laptop oder Desktop.

Vor einiger Zeit wollte ich endlich mal alle Mailing-Clients auf meinen Endgeräten konsistent einrichten. Ich hatte zum damaligen Zeitpunkt vier Devices und fünf E-Mail-Adressen in Benutzung. Auf dem Desktop lief Thunderbird, auf dem Laptop und Netbook Outlook, auf dem Smartphone Windows Mail. Und so nahm das Unheil seinen Lauf…


Disclaimer: Dieser Beitrag ist kein How-to und stellt auch kein Work-around für etwaige Probleme vor. Ich präsentiere hier keine Lösung, ich bewundere lediglich das Problem. Hilfe bekommst du zum Beispiel hier: http://bfy.tw/RH1


Voraussetzung für das korrekte Funktionieren des IMAP-Protokolls ist wie sooft das richtige Einrichten. Dafür braucht es entsprechend ein bisschen Zeit und Willen. Mit dem Eintragen von Server und Portnummer ist es leider nicht immer getan…

Hauptproblematik bei der Benutzung mehrerer Clients und Mailadressen, die untereinander syncen, ist das Mapping der Orderbezeichnungen. Jeder Client muss automatisch detektieren, welcher Ordner als Inbox, Outbox, welcher für Spam etc. verwendet werden soll. Erkennt er dies nicht automatisch, muss es durch den Nutzer manuell eingestellt werden. Und das wiederum ist nicht immer möglich, weil der Client über so eine Funktion nicht zwangsweise verfügt (In Outlook 2013 zum Beispiel entfernt). Wird nicht nachjustiert, legt der Mailingclient für die nicht gefundene Kategorie einen eigenen Ordner an, spannenderweise heißt der dann je nach Software und Sprache anders, der Spam-Ordner beispielsweise „Junk-E-Mail“ (Outlook 2013), „Junk“ (Thunderbird) oder je nach Provider serverseitig „Spam“, „Spam-Verdacht“, „Bulk-Mail“, „Spamverdacht“, …

Bei Falschem Einrichten entwickeln die E-Mail-Postfächer daher ein Eigenleben und enden in gigantischer Unordnung. Verwaiste oder gar mehrfach duplizierte Ordner, die eigentlich ein und dieselbe E-Mail-Kategorie beherbergen sollten, sind die Folge. Gesendete Mails landen dann zum Beispiel in unterschiedlichen Ordnern, die „Gesendet“, „Sent“, „Sent Items“, „Gesendete Elemente“, etc. heißen und man verliert schnell die Übersicht, ob man die entsprechende Mail bereits (von einem anderen Gerät) abgeschickt hat oder nicht.

Das Problem tritt selbstverständlich nicht auf, wenn man nur einen Mailing-Client auf einem Gerät verwendet oder die Mails immer per Browser abruft. Das lässt sich jedoch nicht immer bewerkstelligen, ist doch beispielsweise bei Smartphones das Programm zum Verwalten von Mails oft vorgegeben (und bei Windows Phones auch nahezu alternativlos).

Um das Problem an dieser Stelle nicht unnötig breitzutreten, zurück zur Sache: Mit ein bisschen Einlesen kriegt man es dann doch eingestellt (siehe Disclaimer) – auch wenn’s frickelig ist, sobald ein mal Unordnung herrscht. Aber was mich daran ärgert: Es gäbe technische Lösungen, die manuelles Einstellen überflüssig machen würden.
Die XLIST-Erweiterung beispielsweise würde automatisches Ordner-Mapping ermöglichen, leider wird XLIST noch nicht flächendeckend unterstützt. Zuverlässiger würde IMAP auch funktionieren, wenn man sich an vorgeschriebene, einheitliche Ordnernamen hielte (INBOX, Sent, Trash, Drafts, …). Lokale Übersetzungen oder Umbenennungen dürften dann nur GUI-seitig und nicht System-seitig wirksam sein. Interessanterweise ist derzeit nicht mal Microsoft innerhalb seiner eigenen verschiedenen Mailing-Anwendungen konsistent. Kann der Server kein XLIST, sucht Outlook beispielsweise nach „Sent Items“, Windows Mail jedoch nach „gesendete Elemente“ und erstellt bei Nicht-Auffinden entsprechend unterschiedliche Ordner. Hier werden unnötig Mängel in Kauf genommen, vielleicht auch um eigenen proprietären Protokolle wie ActiveSync den Vorzug zu geben.

Fazit: E-Mail-Protokolle sind teils offen spezifiziert. E-Mails könnten den Nutzern gehören, moderne Clients die Kommunikation noch einfacher machen…
Das bunte, inhomogene Treiben der jeweiligen Technikdienstleister macht es hier den Endverbrauchern jedoch schwieriger als unbedingt nötig wäre. Diese Umstände beschleunigen leider weiter den Drift hin zu proprietären Kommunikations-Kanälen wie Facebook oder WhatsApp.

Was am neuen Sibelius neu ist…

Sibelius auf dem Touch-Screen

Unterstützung von Touch-Screens in der neuen Sibelius-Version (promotional image provided by Avid, relinked from Sibelius Blog)

Sibelius ist das dominierende Notensatzprogramm der letzten Jahre. Doch seit der Schließung des Londoner Office am Finsbury Park, in dem die Software traditionell entwickelt wurde, beäugt die Community jedes neue Ereignis gleichsam gespannt wie kritisch.

In einer offiziellen Stellungnahme von Martin Kloiber am 23. Juli 2012 heißt es:

„We are committed to earning your continued respect with every future release of Sibelius“.

Nun hat Avid auf der Musikmesse eine neue Sibelius-Version für das zweite Quartal 2015 angekündigt. Anlass also, auf den Zahn zu fühlen, wie es um das viel beschworene tiefe „Commitment to Sibelius“ steht.

In einer ersten Ankündigung „Access Sibelius In More Ways Than Ever“ vom 11. April verlautet Andrew Wild:

„What’s new — The main change is the addition of both monthly and annual subscription options.

Nachdem Adobe und Microsoft auf Abos umgesattelt haben, bahnt sich jetzt also auch Avid den Weg dahin. Das war zu erwarten. Was hat das Gutes für den Nutzer? Schnellere Veröffentlichung von neuen Funktionen — sofern diese entwickelt werden. Was hat das Gutes für den Hersteller? Größere Kundenbindung, planbare finanzielle Rückflüsse und potentiell höhere Einnahmen. Was ist daran Notensatz-technisch innovativ? Nichts.

In einem zweiten, zeitgleichen Blog-Posting namens „What’s New in the New Sibelius“ gibt Produktmanager Sam Butler weitere Details bekannt. Dabei werden eben besagte Abo-Modelle vorgestellt und fast schon beiläufig die neuen Features erwähnt. Diese sind:

  • High Res Support on Windows Devices — höher aufgelöste Windows-Bildschirme werden jetzt unterstützt.
  • Multi-Touch Support — die Benutzung von Sibelius auf dem Touch-Screen wird ermöglicht, inkl. Fingergesten oder Stiftsteuerung mittels active Pen.
  • Annotate — ein Feature zum Ziehen von Freihandlinien, hiermit lassen sich Markierungen oder grafische Notationselemente einfügen.

Das sind positive Entwicklungen, die zeigen, dass an Sibelius gearbeitet wird. Die Erweiterungen greifen den Zeitgeist auf. Avid ist bemüht. Doch nach allem, was man bisher lesen kann, bleiben es erste Ansätze, die an native Tablet-Entwicklungen wie Notion, NotateMe oder StaffPad konzeptionell nicht herankommen.

Des Weiteren ist bekannt, dass die Benutzeroberfläche von Sibelius seit der Version 7 auf dem Qt-Framework basiert. Und auch wenn alle Software-Interna von Sibelius nicht-öffentlich und damit auch die Code-Strukturen unbekannt sind, Touch-Gesten in Qt5 sind standardmäßig vorgesehen. In glücklichen Fällen – wenn die Implementierung der Software konsequent in Qt umgesetzt ist – lässt sich die entsprechende Fingersteuerung mit einer einzigen Zeile Code hinzufügen.

Man darf gespannt sein und sollte sich wohl kein finales Urteil erlauben, ehe man nicht die Trial-Version selbst getestet hat. Bei Produkt-Veröffentlichungen alteingesessener, börsennotierter Unternehmen mit einer Vorgeschichte wie Avid scheint jedoch grundsätzlich Skepsis angebracht…